Sorgerechtsstreit geht weiter
Die kleine Stephany ist wieder im Heim

Siegburg - Wieder im Kinderheim Pauline von Mallinckrodt ist Mily Estephany Reuter de Pilier, die mit ihrer Mutter Oliva de Pilier schon auf dem Weg in die Dominikanische Republik war.

Doch auf dem Düsseldorfer Flughafen informierte sie der Bundesgrenzschutz über den Beschluss des Oberlandesgerichts Köln (OLG), die Vollziehung der Entscheidung des Siegburger Familiengerichts vorläufig auszusetzen.

Das hatte entschieden, das Sorgerecht alleine der Mutter zu übertragen. Sofort danach hatte die ihre Tochter in Lohmar-Heide abgeholt und für den folgenden Tag den Flug gebucht. Doch die Vierjährige muss nach dem OLG-Spruch nun zurück nach Siegburg, bis eine endgültige Entscheidung getroffen ist.

Am gestrigen Vormittag brachte die nur Spanisch sprechende Mutter, eine Grundschullehrerin, die kleine Stephany - so wird das Mädchen gerufen - in die Jakobstraße.

"Sie war erst ganz durcheinander, weil sie gar nichts verstand", sagte Schwester Matthäa, Leiterin der Einrichtung. "Sie wäre gerne mit der Mama gefahren." Nach zwei Stunden aber habe sie bereits wieder ganz normal gespielt.

Sie sei jetzt allerdings innerlich zerrissen, glaubt die erfahrene Pädagogin. Als Folge der seelischen Anspannungen habe sie Bauchschmerzen. Denn organisch sei Stephany gesund, ein Arzt habe sie untersucht und keine Erkrankungen oder Hinweise auf Medikamente feststellen können.

Der Vater, Norbert Reuter, hatte am Dienstag direkt nach der Verhandlung in Siegburg die nächsthöhere Instanz angerufen, auf seinen Antrag hin entschieden die Kölner Richter, die Akten aus Siegburg anzufordern. Auch die Kriminalpolizei schaltete er ein, die das Kind zur Fahndung ausschrieb. "Wir sind froh, dass sie noch in Deutschland ist", freute sich die Großmutter, Anita Reuter.

Verzweifelt ist dagegen Oliva de Pilier, die sicher war, in ihre Heimat zurückkehren zu können - mit Stephany. Wie ihr Rechtsanwalt Bernd Heinemann bestätigte, wird sie von der Botschaft der Dominikanischen Republik betreut. Der Zeitdruck, ursprünglich hätte sie zum 15. Juli ausreisen müssen, ist weg - bis zur endgültigen Entscheidung, so Heinemann, wird sie in Deutschland bleiben können.

Das OLG wird die Angelegenheit mit Hochdruck betreiben, versicherte Sprecher Michael Ring: "So schnell wie irgend möglich, das Wohl des Kindes steht im Vordergrund." Ohne Akten, die auf schnellstem Wege transportiert werden sollen, sei eine Beurteilung nicht möglich. Vielleicht könne eine Entscheidung bis zum 15. Juli fallen.

Bis dahin versucht das Kinderheim, Stephany ein bisschen Sicherheit zu geben. Die bisherige Besuchsregelung, die Mutter vier Mal in der Woche, Vater und Oma am Sonntag, bleibt in Kraft, wie der Vormund in Absprache mit Schwester Matthäa entschied.
 

06.07.2001
Siegburger Rundschau