Das Kind ins Zentrum stellen

Die Gründung einer Interessengemeinschaft Väter erhebt die Erhaltung des Kindswohles zum Prinzip

Der Wiler Guerrino Stivanello möchte eine IG Väter gründen. Der Verein soll sich in Zukunft mit der Stärkung des Vater-MutterKind-Dreiecks, bei Scheidungsfällen, befassen.

Andreas Schildknecht

Die Realität zeigt, dass bei Scheidungen meist die Kinder die Leidtragenden sind. Dies obwohl beide Elternteile sich für das Wohl ihres Kindes bemühen. Die Eltern-Kind- Beziehung wird bei Scheidungen oft durchtrennt, sei dies durch Intrigen oder durch Anwälte und Dritte, die oft durch ihr Eigeninteresse die letzten Möglichkeiten einer gemeinsamen Lösungsfindung verunmöglichen. Bei Sorgerechtsentscheidungen werden meistens Mütter bevorzugt, da Muttergefühle von der Gesellschaft als selbstverständlich empfunden werden. Vatergefühle hingegen werden oft belächelt. Von den Gefühlen des Vaters zum Kind wird selten gesprochen.

Das Kind wird Nebensache

So entstehen Machtgefälle, die oft zuungunsten des Kindes einseitig ausgenützt werden. «Von den Behörden wird das gemeinsame Sorgerecht oft schlicht nicht beachtet und es wird prinzipiell so vorgegangen, als hätte nur die Mutter das alleinige Recht zur Sorge. So werden neue, zusätzliche Probleme geschaffen, die das Vater-Mutter-Kind-Dreieck empfindlich stören», erklärt Guerrino Stivanello. Die Kinder geraten bei solchen Prozessen oft ins Hintertreffen. Die Diskussion zum Wohle des Kindes wird nicht mehr geführt. Die Energie wird nicht in eine Konsensfindung, sondern in das gegenseitige Prozessieren und vor allem das Abwehren von Klagen gesteckt. Diesen Strömungen soll eine IG Väter entgegenwirken.

Ziele des Vereins

Primäres Ziel der IG Väter ist der Schutz der Kinderrechte vor, während und nach der Ehe. Die Eltern-Kind-Beziehung soll auch im Falle einer Scheidung erhalten bleiben. Die Mutter- und Vaterrolle bleibt ja auch nach der Scheidung bestehen. Es soll ein Schulterschluss unter betroffenen Vätern stattfinden, der Raum zu Lösungen öffnet, die das Auflösen des bestehenden Machtgefälles zum Ziel haben. Der Verein soll kein Machtinstrument sein und keine Einzeldarstellungen fördern. Guerrino Stivanello: «Es findet keine Tätersuche statt, sondern den Kindern muss geholfen werden. Schwarzweissdenken soll im gemeinsamen Gespräch und Erfahrungsaustausch abgebaut werden, es hat keinen PIatz im Verein. Zorn und Vergeltungsdrang haben keinen Sinn, das Kind muss im Zentrum stehen.» Auch geschiedene Eltern müssen lernen an einem Strick zu ziehen. Funktioniert die Eltern-Kind-Beziehung, so werden auch Folgeprobleme wie Gewaltverhalten und Störungen im Sozialverhalten des Kindes weniger häufig auftreten.

Ein möglicher Weg

Eine IG Väter kann eine Möglichkeit aus der Misere sein. Der Erfahrungsaustausch im Verein soll auch aufzeigen, dass Einzelaktionen wenig bewirken. «Mitglieder der IG Väter sollen sich aktiv nach dem Positiven orientieren und nicht ein 'böses Mutterbild' heraufbeschwören und bekämpfen», betont Guerrino Stivanello. Das gemeinsame Sorgerecht zum Beispiel kann eine Chance sein, sofern es auch von den Behörden und von Familienangehörigen richtig verstanden und unterstützt wird. «Gemeinsames Sorgerecht heisst nicht die Hälfte der Zeit für einen Elternteil, sondern es bedeutet füreinander einzuspringen, sich zu unterstützen und abzusprechen. Der Konsens zugunsten des Kindes muss vor dem persönlichen Interesse und Schmerz über die gescheiterte Beziehung stehen», erklärt Guerrino Stivanello. Dieses Denken hat sich bei vielen Betroffenen jedoch noch nicht durchgesetzt. Anhand von positiven Beispielen, die es durchaus auch gibt, soll gezeigt werden, dass es auch anders geht.

Unterstützung erwünscht

Es gibt Vereinigungen wie die Schule oder die Kirche, die sich ebenfalls für die Kinder einsetzen. Ein Informationsfluss oder eine Zusammenarbeit mit einer zukünftigen IG Väter wäre sicher von Vorteil. Engagierte Väter, die sich an der Gründung der Interessengemeinschaft beteiligen wollen, können sich unter Telefon (079) 222 16 50 melden.
 

15.9.2000
St. Galler Tagblatt