"Fall Rose": Schweiz unter DruckUnzufrieden US-Aussenministerium und Kongressabgeordnete fordern TatenBrisante Entwicklung im "Fall Rose", der Auseinandersetzung um das Kind aus erster Ehe von Ex-Regierungsrat Thomas Pfisterers Schwiegertochter: Das US-Aussenministerium und Kongressabgeordnete machen Druck auf die Schweiz. Die Worte des Department of State lassen nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig: Dass der "Fall Rose" noch immer hängig ist, erstaunt das US-Aussenministerium sehr. Und die Diktion verheisst nichts Gutes: Die Schweizer Behörden dürften nicht überrascht sein, wenn das Aussenministerium zu prüfen beginne, ob die Schweiz im vorliegenden Fall die Haager Kinderkonvention verletze. Hintergrund der ganzen Geschichte: Nach der Scheidung von Mitchell und Sandra Goldstein - er Amerikaner, sie Schweizerin - reist die Mutter im September 1996, inzwischen mit einem Sohn von Ex-Regierungsrat Thomas Pfisterer verheiratet, mit ihrem damals vierjährigen Kind in die Schweiz, trotz gemeinsamem Sorgerecht für die Tochter. Für den Vater ist der Fall klar: Das ist eine Kindsentführung. Und die amerikanische Justiz handelt: Dem Kindsvater wird das alleinige Sorgerecht zugesprochen - dieser verlangt die Rückführung seiner Tochter in die USA. Doch so weit kommt es nicht: Obwohl auch Schweizer Gerichte - vom Zürcher Ober- und Kassationsgericht bis zum Bundesgericht - in einer Kaskade von Entscheiden die Position des Kindsvaters stützen, kommt die Rückführung nicht zustande. Heutiger Stand: Das Vollstreckungsverfahren über die Rückführung ist noch immer beim Bezirksgericht Laufenburg hängig. Ebenso ein Strafverfahren bei der Bezirksanwaltschaft Zürich gegen den zwischenzeitlich mit dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs konfrontierten Kindsvater. Dass es mit dem Fall nicht vorwärtsgeht, schmeckt den amerikanischen Behörden gar nicht. Die jüngste Intervention des Department of State beim Eidgenössischen Justizdepartement im Juni war denn auch unmissverständlich - und wird in Bern durchaus ernst genommen. Jedenfalls äusserte sich Nicolette Rusca, Leiterin der Zentralbehörde zur Behandlung internationaler Kindsentführung, gestern im "SonntagsBlick" mit folgenden Worten: "Es gibt zurzeit keinen ähnlich gelagerten Fall, bei dem so viele Gerichtsentscheide gefällt wurden." Und: "Ab November wird in jedem Kanton eine Koordinationsstelle geschaffen, um eine raschere Erledigung von Kindsentführungsfällen zu gewährleisten." Mit gutem Grund, denn: Nicht nur das Department of State, sondern auch der US-Kongress macht Druck. Zum einen: Im März dieses Jahres hat in Washington unter dem Titel "Bring our children home" eine Pressekonferenz zur Kindsentführungsproblematik stattgefunden, an der die beiden Congressmen Nick Lampson, Texas, und Steve Chabot, Ohio, auftraten. Aufschlussreich dabei: Explizit Erwähnung fand in diesem Zusammenhang auch der "Fall Rose". Zum andern: John Lewis, Kongressabgeordneter aus Georgia, setzte den amerikanischen Botschafter in der Schweiz, Richard Fredericks, detailliert über den "Fall Rose" ins Bild, nachdem zuvor schon der Schweizer Botschafter in den USA, Alfred Defago, in der Sache informiert worden war. Die Stossrichtung dieser Bemühungen
ist eindeutig: Mit politischen und diplomatischen Mitteln soll der Druck
auf die Schweiz erhöht werden, den seit bald vier Jahren pendenten
"Fall Rose" nach den international geltenden Verpflichtungen des Haager
Entführungsübereinkommens zu lösen. (bbr.)
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