München (AP). Bei so genannten Kindesentführungen durch Väter oder Mütter verschiedener Staatsangehörigkeit sollen deutsche Gerichte künftig schneller über die Rückführung der Opfer entscheiden können. Nach einem am Samstag veröffentlichten "Focus"-Bericht bereitet die Bundestagsabgeordnete Margot von Renesse für die SPD-Fraktion einen Gesetzentwurf zur Verfahrensbeschleunigung bei Sorgerechtsstreitigkeiten zwischen binationalen Partner vor.

Erst Anfang Juni hatten sich deutsche und amerikanischen Behörden auf eine bessere Zusammenarbeit in solchen Fällen geeinigt.

Nach dem SPD-Entwurf solle nicht mehr allein ein Familienrichter über die Rückführung von Kindern nach der Haager Konvention entscheiden, sondern zusätzlich zwei Laienrichter an der Urteilsfindung beteiligt werden, berichtete das Nachrichtenmagazin. Einer solle aus der Konsularabteilung des betroffenen Vertragsstaats stammen, der andere einer internationalen Organisation angehören, die sich mit Kinderschutzrechten beschäftige.

"Wir müssen die Provinzialität in der Rechtsprechung überwinden", sagte Renesse dem Magazin. Von der Jury erwarte sie höhere Objektivität, größeres Verständnis für andere Rechtssysteme und eine schneller Lösung. Bislang flüchteten viele Richter vor der Verantwortung und beauftragten Zeit raubende Gutachten.

Die Berliner Expertin für die Haager Konvention, Kerstin Niethammer-Jürgens, forderte darüber hinaus ein härteres Vorgehen gegen die Väter oder Mütter, die ihre Kinder ohne Sorgerecht zu sich nähmen. "Ohne härtere Gefängnisstrafen bekommen wir das Problem nicht in den Griff."