Antje L. (26): Vor Gericht weint sie, schluchzt, aber sie zeigt keinen Funken Reue

Mutter tötete drei Kinder

Von CHRISTIAN RENZ

Erfurt - Was ist das nur für eine Mutter? Antje L. (26) tötete drei ihrer fünf Kinder direkt nach der Geburt. Die winzigen Leichen bewahrte sie stets in ihrer Nähe auf - meist monatelang. Seit gestern steht die Verkäuferin in Erfurt vor Gericht. Sie weint, sie schluchzt - doch Reue zeigt sie nicht.

Saal 209 im Landgericht. Um 14.30 Uhr. Gespannte Stille. Richter Holger Pröbstel, Staatsanwalt Martin Scheler, die Zuschauer - sie alle warten auf eine Erklärung. „Warum mussten drei Babys sterben?“

Doch darauf kann oder will Antje L. (in U-Haft abgemagert von 100 auf 60 Kilo) keine Antwort geben. Stattdessen schildert sie nüchtern, mit fester Stimme, wie ihre Kinder starben: Im September 1994 bringt sie ein Mädchen zur Welt.

Als die Kleine zu schreien beginnt, drückt L. ihr ein Kissen aufs Gesicht, erwürgt das Baby schließlich. Ihr Motiv: „Ich hatte Angst vor meiner Mutter.“ Die Leiche stopft sie in eine Tasche, versteckt sie in der Garage. Im Dezember wirft sie das grausige Paket auf ein Feld.

Knapp vier Jahre später, im Juli 1998: Antje L. bekommt einen Jungen. „Ich hatte das Kind auf dem Arm, habe es mit einem Kissen erstickt.“ Bis zum Abend bewahrt sie ihren toten Sohn in einem Mülleimer auf. Was dann mit dem Körper passiert ist - niemand weiß es. Die Leiche wird nicht gefunden.

Der dritte Fall. Gerade ein Jahr danach. Wieder wird ein Junge geboren. Antje entbindet allein - in einer Badewanne. Zuvor hat sie Wasser einlaufen lassen.

Der Junge ertrinkt, bevor er seinen ersten Schrei ausgestoßen hat. Die Leiche legt die 26-Jährige in eine Tasche, verstaut sie im Keller.

Erst 14 Monate später, im Februar 2001, wirft sie den Körper in einen Straßengraben. Als die Leiche entdeckt wird, beginnt eine 40-köpfige SoKo mit der Arbeit. Und überführt die Horror-Mutter durch einen DNA-Test.
 

04.09.2001
www.express.de/news/1991406.html