Dienstag, der 3. Oktober 2000 

Urteil: Wuppertaler verletzte Frau und Sohn mit einem Messer

Von Marguerita Eckel 

Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verurteilte am Montag die Schwurgerichtskammer des Wuppertaler Landgerichts einen 45-jährigen Arbeiter zu sechs Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe. Der Staatsanwalt hatte achteinhalb Jahre beantragt.

Der Mann war Anfang Februar nach einem Unterhaltsprozess vor einem Wuppertaler Familiengericht seiner Ehefrau (41) gefolgt und hatte sie mit einem Fahrtenmesser niedergestochen. Auch sein (leiblicher) Sohn (21), der in Begleitung seiner Mutter war und ihr zur Hilfe kam, wurde vom Angeklagten mit dem Messer schwerverletzt. Die beiden Opfer konnten nur durch eine sofortige Notoperation gerettet werden.

Das Ehedrama des Paares spitzte sich zu, als sich die Frau nach 22 Jahren trennen wollte. Während ihr Ehemann in schwindelnder Höhe auf Fabrikschornsteinen seiner gefährlichen Arbeit nachging, habe sich die Frau ständig mit anderen Männern eingelassen und das schwerverdiente Geld mit vollen Händen ausgegeben. Das sagte der Bruder (39) der Frau als Zeuge vor Gericht und erklärte, er habe volles Verständnis für seinen Schwager.

Am Tattag war es im Prozess vor dem Familienrichter auch um Unterhaltszahlung des Angeklagten für den unehelichen Sohn (18) seiner Frau gegangen. Als sie damals mit dem Kind schwanger war, hatte sie ihrem Mann vorgetäuscht, sie sei vergewaltigt worden. Ihr Ehemann hatte ihr das all die Jahre geglaubt und das Kind wie seinen eigenen Sohn behandelt. Weil die ganze Zeit kein Vaterschaftsnachweis erfolgt war, hatte der Angeklagte sein Recht verwirkt und sollte nun zahlen. Wie der Schwager vor Gericht berichtete, sei aber bekannt geworden, dass der inzwischen 18-Jährige aus einer Beziehung seiner Mutter zu einem Mann aus ihrer Heimat stamme.

Als die Ehefrau sich trennen wollte und auch noch Unterhalt für das unehelich Kind forderte, rastete der Ehemann aus und stach nach dem Prozesstermin seine Frau auf offener Straße nieder. Zuvor hatte er angedroht: "Wenn sie sich von mir trennt, bringe ich sie um. Eher gehe ich in den Knast, als dass ich zahle." 

     


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