„Ich
weiß wirklich nicht, warum mein Ex-Mann das getan hat. Vielleicht
war es seine Krankheit und er wollte den Niklas einfach mitnehmen“, schildert
die Mutter des dreijährigen Buben unter Tränen dem KURIER. Sie
musste am Dienstagabend im Sicherheitsbüro psychologisch betreut werden.
Wie berichtet, soll der Berufssoldat Manfred S, 39, am Dienstag, gegen fünf Uhr Früh, das Kind mit einem Plastiksackerl in der Siebenbrunnengasse Nummer 60 (Wien-Margareten) erstickt haben. Dann schnitt er sich die Pulsadern auf, konnte aber gerettet werden. Er dürfte nicht verkraftet haben, dass seine Kinder sich in der neuen Familie eingelebt hatten und zum Lebensgefährten der Mutter „Papa“ sagten.
„Ich wollte meinen Buben am Dienstagnachmittag aus dem Kindergarten abholen. Doch da war einfach kein Niklas“, berichtet Manuela S. über ihre Verzweiflung. Deshalb versuchte sie, ihren Mann, von dem sie sich im Vorjahr nach dreieinhalbjähriger Ehe getrennt hatte, telefonisch zu erreichen. Ihr wurde zwar das alleinige Sorgerecht für den Dreijährigen und Tochter Andrea, 5, zugesprochen, aber er durfte die Kinder trotzdem öfters sehen und über Nacht bei sich behalten.
Wobei es Glück war, dass das Mädchen nach einer Operation bei der Oma in Pflege ist. „Sie weiß noch nichts von dem Ganzen. Keine Ahnung, wie wir ihr das beibringen sollen, sie versteht ja schon alles“, seufzt die Mutter.
Die verzweifelte Suche Als Manuela S. ihren Ex-Mann am Dienstagabend nicht erreichte, lief sie zum Wachzimmer Rainergasse. Während ihr neuer Lebensgefährten, der ebenfalls beim Bundesheer arbeitet, versuchte, den 39-Jährigen telefonisch zu erreichen, wartete der Patenonkel von Niklas vor dessen Wohnung.
Die Beamten brachen die Türe auf und fanden dort gegen 18.30 Uhr das leblose Kind, mit dem Plastiksack bis zum Mund. Daneben lag der röchelnde Vater. Während Manfred S. ins AKH gebracht wurde, fanden die Ermittler des Sicherheitsbüros (Gruppe Maier, Major Stecher) seinen Abschiedsbrief, den er in mehrfacher Ausführung mit der Post auch an seine Freunde und Verwandten geschickt hat. Darin erklärt er, dass er seinen Sohn erstickt und Selbstmord begangen hat. Deshalb geht man im Sicherheitsbüro von Mord aus.
„Im Verhör berichtete S., dass er sein Lebensziel von einer intakten Familie nicht erreichen konnte und deshalb die Tat begangen hat“, sagt Hannes Scherz von der Mordkommission. Von Depressionen oder anderen Anzeichen für eine so schreckliche Tat hatte die Mutter in den vergangenen Wochen jedenfalls nichts bemerkt.
Dominik Schreiber
04.10.2000
KURIER online