Kriminalität
Kindesentführer festgenommen - Mädchen wohlauf
06. Februar 2005 Nach einer dramatischen
Flucht quer durch Europa ist der Entführer eines vierjährigen
Mädchens aus Nordrhein-Westfalen in Bosnien festgenommen und das Kind
befreit worden. Der 29jährige Vater hatte seine Tochter nach einem
Streit mit der Ehefrau im rheinischen Viersen in seine Gewalt gebracht
und war in einer wilden Verfolgungsjagd über Österreich, Slowenien,
Kroatien bis nach Bosnien geflohen. Im bosnischen Novi Grad stellte er
sich den Behörden. Das Mädchen sei wohlauf, teilte die Polizei
in Düsseldorf mit.
Das Kind wurde in die Obhut der in Bosnien lebenden Schwester des 29jährigen gegeben, berichteten örtliche Medien. Ein Untersuchungsrichter soll am Montag über das weitere Verfahren entscheiden.
Starke Polizeikräfte hatten den schwer bewaffneten Bosnier auf seiner 15stündigen Flucht verfolgt, griffen aber aus Sorge um das kleine Mädchen nicht zu. An einer Tankstelle noch in Deutschland kam es zu einem Schußwechsel, berichtete die österreichische Sondereinheit Cobra. Verletzt wurde dabei niemand. Gegen den Entführer ist in Deutschland Haftbefehl wegen Kindesentziehung, Geiselnahme und anderer Delikte erlassen worden.
Streit mit der getrennt lebenden Ehefrau als Auslöser
Der Bosnier hatte nach einem Streit mit seiner 34jährigen, getrennt von ihm lebenden Ehefrau in der Nacht zum Sonntag die gemeinsame Tochter Melisa in seine Gewalt gebracht und war Richtung Süden geflohen. Während der Fahrt hatte der Mann ständig mit einer Schußwaffe und zwei Handgranaten gedroht. Das Kind saß angeschnallt in einem Kindersitz auf dem Rücksitz des Fluchtwagens. Erst an der kroatisch-bosnischen Grenze gab der Entführer seine Waffen ab. Wenig später ließ er sich festnehmen.
Der 29jährige hatte während der Fahrt immer wieder gedroht, er werde seine Tochter töten, sollte die Polizei versuchen, ihn aufzuhalten. In Passau überquerte er die Grenze nach Österreich. Von dort flüchtete der Mann durch Oberösterreich, die Steiermark und verließ bei Spielfeld Österreich nach Slowenien. Auch an mehreren Mautstellen auf der Autobahn wurde er nicht gestoppt. Der Entführer wurde von österreichischer Seite von einem Observationsteam des Bundeskriminalamtes und Mitgliedern eines Sondereinsatzkommandos verfolgt. Es habe sich während der Fahrt keine gute Zugriffsmöglichkeit ergeben, sagte ein Sprecher. Beim Grenzübergang zu Slowenien war die Festnahme zunächst geplant, wurde dann aber nicht vollzogen, um das Leben des Mädchen nicht zu gefährden.
"Solche Menschen darf man nicht in die Enge treiben"
Nach Informationen der österreichischen
Spezialeinheit Cobra hat der Entführer mehrmals erkennen lassen, er
wolle nicht, daß seiner Tochter etwas zustoße. Er wolle das
Kind in Sicherheit bringen, weil er glaube, daß das Mädchen
durch viele Männerbesuche seiner getrennt lebenden Ehefrau Schaden
nehme. "Solche Menschen darf man nicht in die Enge treiben", sagte Cobra-Chef
Bernhard Treibenreif der österreichischen Nachrichtenagentur APA zur
Begründung der abwartenden Strategie der Polizei.
Text: dpa