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Geiselnehmer von Viersen festgenommen

Von Polizei in Bosnien gestellt - Tochter wohlauf

Verfolgungsjagd auf der Autobahn

Glimpfliches Ende einer dramatischen Kindesentführung quer durch Europa: Nach rund 15-stündiger Verfolgungsfahrt durch Deutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien und Bosnien, hat sich ein 29-jähriger Bosnier, der seine vierjährige Tochter in der Nacht zum Sonntag im nordrhein-westfälischen Viersen entführt hatte, am Sonntagnachmittag den Behörden in seinem Heimatland gestellt. Das Kind sei wohlauf, teilte die Polizei Düsseldorf mit.
06.02.2005 [Archiv]
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Bewaffnet mit einer Pistole und zwei Handgranaten hatte sich der Mann in seinem grünen Honda zuvor mit Großaufgeboten der Polizei eine Verfolgungsjagd geliefert. Wie die bosnische Polizei mitteilte, stellte sich Edin K. in seiner Heimatstadt Novi Grad gegen 15.45 Uhr den Behörden, nachdem er kurz zuvor in der Stadt Otoka eine Frau in sein Auto geholt hatte. Den Angaben zufolge wurde er zur Vernehmung auf das örtliche Polizeirevier gebracht. Seine Tochter sei wohlauf und bei ihm, hieß es.

Haftbefehl erlassen

Zuvor hatte K., der auf der Verfolgungsfahrt immer wieder mit Handgranate und Schusswaffe gedroht hatte, an der bosnisch-kroatischen Grenze seine Pistole sowie zwei Handgranaten den kroatischen Behörden ausgehändigt. Eine Richterin in Düsseldorf erließ am Sonntag Haftbefehl wegen Kindesentziehung, Geiselnahme und anderer Delikte.
 
Nach ersten Ermittlungen war der Streit mit der getrennt von ihrem Mann lebenden Ehefrau um ein Uhr morgens eskaliert, woraufhin der 29-Jährige die Tochter Melisa gewaltsam aus der Wohnung der Mutter holte. Anschließend flüchtete er mit seinem Auto über die A 61 in Richtung Süden. Dabei wurde er die ganze Zeit von starken Polizeikräften aus Bayern und Nordrhein-Westfalen verfolgt. Nach Angaben eines Sprechers des Polizeipräsidiums Düsseldorf "kam es dabei auch zu einer Bedrohung mit einer Schusswaffe".

Nach Angaben der bosnischen Behörden gab der Täter in Deutschland auch einen Schuss auf einen Polizeibeamten ab, der versuchte ihn zu stoppen. Die deutschen Behörden bestätigten dies zunächst jedoch nicht. Wegen der Bewaffnung des Mannes und der hohen Fahrgeschwindigkeit hatte sich nach Angaben der Behörden zunächst keine Möglichkeit geboten, das Kind zu befreien. Das Mädchen habe angeschnallt in einem Kindersitz auf dem Rücksitz des Fluchtwagens gesessen. Der 29-Jährige hatte gedroht, er werde seine Tochter töten, sollte die Polizei versuchen, ihn aufzuhalten.

Quer durch Europa

Um 7.20 Uhr überquerte der Vater dann bei Passau die Grenze zu Österreich, durchquerte Oberösterreich und die Steiermark und fuhr bei Spielfeld über die Grenze nach Slowenien. Aus taktischen Gründen habe man sich dazu entschlossen, das Auto nicht zu stoppen, erklärte ein Sprecher des österreichischen Innenministeriums. Auch bei einem Tankstopp des Mannes an einer Raststätte griffen die österreichischen Behörden nicht zu. Es habe sich keine günstige Gelegenheit zum Zugriff geboten, bei der die Gesundheit des Mädchen nicht gefährdet gewesen wäre, hieß es. Auch die slowenische und kroatische Polizei verhielt sich in Absprache mit den anderen Behörden äußerst zurückhaltend. Nach Angaben der kroatischen Polizei gelang es den dortigen Behörden, kurz Kontakt zu dem Mann aufzunehmen. Er habe zugesichert, dass dem Mädchen nichts passieren werde, wenn ihm freier Zutritt nach Bosnien gewährt werde. Um zu demonstrieren, wie ernst es ihm sei, habe er eine Handgranate gezeigt.

Mit Material von dpa