Statement 7 Stunden Geiselhaft
Stand 11.02.2006
Es wäre schön zu erfahren, was wirklich passiert ist. Wer hat denn die Aussagen gehört, dass er sich
und die Kinder umbringen möchte? Gibt es außer der Mutter auch qualifizierte Zeugen?
Interessant ist auch, dass die Kinder in aller Ruhe geschlafen haben und jetzt zum Psychiater sollen.
Wird der Vater auch psychologisch betreut?
Der Fall zeigt auch die Lage von Männern im Familienrecht. "Entführer" im Sinne des Gesetzes sind immer die Männer.
Im konkreten Fall könnte ich mir vorstellen, das die Mutter zum Vater gesagt hat: "Du böser, böser Mann, du wirst
deine Kinder nie wieder sehen. Als Mutter habe ich Mittel und Wege, mein Ziel zu erreichen. Ich werde mit der Hilfe
von Jugendamt und Rechtsanwalt deine Kinder entführen und du kannst nichts dagegen tun." Sie hat dann wohl Recht
behalten - klar.
Was kann der Gesetzgeber tun, um solche Fälle in Zukunft zu verhindern?
In Krisensituationen können Väter Mord, Selbstmord, erweiterten Selbstmord oder "Entführungen" machen.
Die Männer, die so etwas tun, sind im Regelfall nicht vorbestraft und befinden sich offenbar in einer
Ausnahmesituation.
Eltern müssen wissen und sich fest darauf verlassen können, das ihre Elternrechte nicht auf Wunsch des
Ex-Partners zur Disposition gestellt werden können. Das Familienrecht muss nicht nur äußeren, sondern auch
inneren Frieden bringen.
papa-info
Vater hielt seine Kinder sieben Stunden als Geiseln
Ehedrama MEK-Einsatz in xxxxxxxx. 34jähriger Kroate stritt mit seiner Frau um das Sorgerecht. Sie wollte sich von ihm trennen.
Es waren sieben Stunden Nervenkrieg: Ein Familienvater hat seine Kinder in der Nacht zum Montag als Geiseln genommen und sich in seiner Wohnung an der xxxxxxxxstraße in xxxxxxxx (Bezirk Harburg) verschanzt (wir berichteten). Ein Großaufgebot der Polizei überwältigte den Geiselnehmer schließlich nach stundenlangen Verhandlungen und befreite seine beiden kleinen Töchter. Der Vater kam gestern in Untersuchungshaft.
Begonnen hatte alles gegen 18 Uhr mit einem handfesten Ehekrach. Wieder einmal hatte der Kroate xxxxxxxx D. (34) mit seiner Frau, die sich trennen wollte, um das Sorgerecht für die Töchter xxxxxxxx (3) und xxxxxxxx (7 Monate) gestritten. Wie oft zuvor prügelte der Mann auf seine Frau ein. Sie flüchtete aus der Wohnung und rief die Polizei.
Der Kroate verweigerte den Beamten den Zutritt zur Wohnung. Durch einen Türspalt richtete der offenbar schwer angetrunkene Mann eine Waffe auf die Polizisten, drohte: "Haut ab, sonst bringe ich alle um!" Kurz darauf war in der Wohnung ein Knall zu hören. Als Ehefrau xxxxxxxx D. aussagte, daß ihr Mann schon im vergangenen Jahr gedroht habe, sich und die Kinder zu töten, wenn er nicht das alleinige Sorgerecht bekomme, gab die Polizei Großalarm.
Kriminaldirketor Reinhard Bromm übernahm die Leitung einer schnell eingerichteten Sonderkommission, ein Staatsanwalt wurde hinzugezogen. Der Tatort wurde weiträumig abgesperrt, das Mobile Einsatzkommando (MEK) angefordert und Sondereinsatzkommandos (SEK) aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein zur Verstärkung bereitgestellt. Die Verhandlungsgruppe (zehn Personen) rückte zur xxxxxxxxstraße aus. Insgesamt waren 196 Beamte beteiligt. "Das ist das normale Aufgebot, wenn ein Gewalttäter stationär Geiseln nimmt", sagte ein Polizeisprecher. "Wir wollten kein Risiko eingehen."
Die Verhandlungen dauerten fast sieben Stunden. Immer wieder versuchte die Polizei, den Mann telefonisch zur Aufgabe zu bewegen. Doch er ließ nicht mit sich reden. Er ist wegen Widerstands und Körperverletzung polizeibekannt. Für eine Körperverletzung im Jahr 2005 bekam er eine Bewährungsstrafe - er wußte, daß mit der Geiselnahme die Bewährung verwirkt ist.
Die Situation war kritisch: Das MEK konnte keinen üblichen Zugriff planen, bei dem der Geiselnehmer in der Wohnung überwältigt wird. Denn xxxxxxxx D. trug die meiste Zeit Baby xxxxxxxx auf dem Arm. Die Spezialisten versuchten darum, den Kroaten allein an die Tür zu locken. Der 34jährige stellte immer wieder neue Forderungen: Einmal wollte er sogar eine schriftliche Bestätigung, daß er den Polizeieinsatz nicht zahlen muß. Erst nach 1 Uhr konnte die Geiselnahme beendet werden: Endlich öffnete der Mann einmal die Tür, ohne daß sich ein Kind in seiner Nähe befand. MEK-Männer zerrten ihn aus der Wohnung und warfen sich im Flur auf ihn. Dann nahmen sie xxxxxxxx D. fest und stellten seine Waffe, einen Gasrevolver, sicher.
Die beiden Kinder schliefen wohlbehalten in ihren Bettchen. Sie und die Mutter werden jetzt psychologisch betreut.
erschienen am 7. Februar 2006
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