27.11.2002 news / hintergrund
| Ratlosigkeit und Trauer
Details des Dramas werfen viele Fragen
Von unserem Redakteur
FLIESSEM/SCHÖNECKEN.
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An dieser Stelle (Pfeil) ist ein 35-
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"Ein eher ruhiger Typ, der überlegt, was er machen soll, und das dann durchzieht": So beschreibt ein Bekannter den Familienvater aus Schönecken, der sich von der Kylltalbrücke der A 60 gestützt hat. Vor diesem Hintergrund geben einige Details des Dramas zu denken. Es scheint fast so, als ob der Mann schnell gefunden werden wollte. Er ließ den Motor seines Wagens laufen und die Tür aufstehen. Das musste anderen Autofahrern schnell auffallen.
Der Vater sprang keineswegs an der höchsten Stelle von der 645 Meter langen Brücke. Während dieser Punkt 93 Meter über dem Fluss liegt, sind die Betonpfeiler an der Absprungstelle "nur" rund 50 Meter hoch. Die Körper des Vaters und seiner beiden Söhne schlugen auf der Böschung eines Waldwegs auf, wo zum Teil große Steinbrocken liegen. Möglicherweise hat der zweijährige Sohn nicht nur wegen seines geringen Gewichts überlebt, sondern weil er auf einer weicheren Stelle am Boden landete oder in den Armen seines Vaters.
Für die Rettungskräfte war das Gelände von Fließem aus nur über kilometerlange, größtenteils unbefestigte Waldwege erreichbar. Der Boden war zudem durch Regenfälle aufgeweicht. Ein scheinbar endloses Labyrinth, in das Notarzt und Sanitäter des DRK, die Feuerwehr Wolsfeld und die Polizei gegen 21 Uhr vordrangen. Die Stützpunktwehr mit Wehrleiter Hermann Schilz setzte einen Geländewagen mit Allradantrieb und Dachscheinwerfern ein. Während der überlebende Junge schon im Krankenhaus Bitburg versorgt wurde, trafen kurz vor Mitternacht Kripo-Beamte aus Trier ein und sicherten Spuren. Ein Arzt nahm die erste Leichenschau vor. Um 1.30 Uhr wurden die leblosen Körper der Opfer nach Fließem gebracht.
Am Dienstag zeugen zahlreiche medizinische Utensilien vom nächtlichen Einsatz der Retter in der Nähe der Unteren Fließemermühle. Gummihandschuhe, Spritzen, Verpackungen von Kompressen, Pflasterrollen und Abdeckplanen liegen auf einer kleinen Ebene neben dem Waldweg. Auf der anderen Seite der Kyll führt die Straße zwischen Wilsecker und Bitburg-Erdorf vorbei.
Unterdessen herrscht in Schönecken tiefe Bestürzung und Trauer. "Das ganze Dorf ist geschockt. Wir können es einfach nicht fassen", sagt eine Bewohnerin. "Erst gestern habe ich den Familienvater mit seinem jüngeren Sohn getroffen, die hier zu Fuß unterwegs waren." Einer anderen Schöneckerin war die Mutter wenige Tage zuvor mit beiden Söhnen begegnet. Klagen sind im Dorf nicht zu hören: "Das waren ordentliche Leute", heißt es, "aber man weiß nie, was dahinter steht. Der Vater hatte jedenfalls kein Recht dazu, die Kinder mit in den Tod zu nehmen."
"Der Mann war ein ruhiger Typ"
Die Mutter ist Hausfrau und half hin und wieder als Bedienung aus. Die Eltern sollen sich intensiv um ihre Söhne gekümmert haben, die Kindergärten in Schönecken beziehungsweise Prüm besuchten. Die Mutter bastelte viel mit den Kleinen. Die Fenster im Haus der Familie sind mit den Basteleien geschmückt. "Beide haben die Kinder sehr geliebt. Auch deshalb ist es unvorstellbar, was der Vater getan hat", sagt ein Bekannter der Familie. "Man darf sich gar nicht vorstellen, wie es passiert ist", meint ein Arbeitskollege des Vaters kopfschüttelnd. "Der Mann war ein unauffälliger, relativ ruhiger Typ. Wenn wir uns getroffen haben, hat er oft ein Späßchen gemacht."
Allein eine gewisse Konsequenz wird dem 35-Jährigen nachgesagt. Wenn er sich etwas vornahm, zog er es auch durch am Montagabend bis zum bitteren Ende. Wie seine letzten Minuten aussahen, dafür gibt es keine Augenzeugen. Zwischen Fließem, Badem und Spangdahlem ist die A 60 noch relativ wenig befahren, da das letzte Teilstück für den Anschluss nach Wittlich erst im Dezember frei gegeben wird.
Die umfangreichen Ermittlungen der Polizei, insbesondere die Befragungen im Umfeld der Familie, dauern noch an. Weitere Erkenntnisse erhoffen sich Polizei und Staatsanwaltschaft, wenn die Ergebnisse der Obduktion vorliegen.
27.11.2002
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