PinnebergEntführte Celina - schon bald wieder zu Hause?
Schenefeld: Mutter des verschleppten
Mädchens reist zum Prozeß nach Serbien -
Kreis ruft zu Spenden auf.Von Arne Kolarczyk
Schenefeld - Heute in einer Woche steigt
Marina Sandor (24) ins Flugzeug. Ihr Ziel:
Belgrad, die Hauptstadt Serbien-Montenegros.
150 Kilometer entfernt, in dem kleinen Ort Kula,
tagt am 29. Dezember das Familiengericht. Es
entscheidet über die Zukunft Celinas, der
vierjährigen Tochter der Schenefelderin. Ihr
Ex-Mann und Vater des Kindes, Attila Sandor
(27), hatte die Kleine am 12. Oktober 2002 in
seine Heimat verschleppt, nachdem er sich
gerichtlich ein Besuchsrecht erstritten hatte.
Seitdem fehlt von Celina jedes Lebenszeichen.
Kindesentzug: Die Eltern von Attila Sandor, die
ihrem Sohn nachweislich dabei halfen, wurden
dafür in Deutschland rechtskräftig verurteilt und
sitzen in Haft - Mutter Ana für drei, Vater Istvan
für zweieinhalb Jahre. Ihr Sohn lebt unbehelligt
in Serbien - offenbar mit Celina. Dort ist
Kindesentzug keine Straftat. Zwar wird der
27jährige mit internationalem Haftbefehl
gesucht, jedoch besteht zwischen Deutschland
und seiner Heimat kein
Auslieferungsabkommen.Dem Haager
Kindesentziehungsübereinkommen von 1980
ist das Land angeschlossen. Einen
entsprechenden Antrag auf Rückführung des
Mädchens hat Petra Wiechers-Jahn, die
Anwältin von Marina Sandor, vor mehr als zwei
Jahren gestellt. Sie hat auch dafür gesorgt, daß
die Ehe des Paares in Deutschland
rechtskräftig geschieden und das alleinige
Sorgerecht auf ihre Mandantin übertragen
wurde.Dennoch wagte sich Attila Sandor jetzt -
scheinbar unbeeindruckt - aus der Deckung: Er
reichte in seiner Heimat seinerseits die
Scheidung ein, beantragte die Übertragung des
Sorgerechts für Celina und fordert 100 Euro
Unterhalt pro Monat. Darüber wird am 29.
Dezember das Familiengericht in Kula
befinden. Halten sich die Richter an das Haager
Übereinkommen, müßten sie diese Anträge
ablehnen und die Rückführung des Mädchens
verfügen. Doch ob es dazu kommt? "Da läuft
viel mit Geld", so Petra Wiechers-Jahn.Marina Sandor wird, begleitet von ihrem Bruder,
an dem Termin teilnehmen. "Ich hoffe, daß ich
angehört werde, daß ich meine Situation
schildern kann." Ihr größter Wunsch: "Ich
möchte Celina gleich mit nach Hause nehmen."
Doch ob die Kleine mit zum Gericht kommt,
weiß niemand. Denkbar ist, daß auch Attila dem
Termin fernbleibt, nur seinen Anwalt schickt.
"Vor einer Begegnung mit meinem Ex-Mann
habe ich große Angst", sagt die 24jährige. Die
nur sechsmonatige Ehe sei nie glücklich
gewesen.Die Kindesentziehung - für Marina Sandor auch
finanziell eine Katastrophe: Ohne Kind verlor
sie ihre Berechtigung, in der Sozialwohnung zu
bleiben - und auch den Job, "weil ich mich auf
nichts mehr konzentrieren konnte". Sie
engagierte einen Privatdetektiv (mehr als 10
000 Euro Kosten), mußte für alle Gerichts- und
Anwaltskosten aufkommen. Der örtliche
Rechtsbeistand, der sie beim Prozeß in Kula
begleitet, verlangt alleine 120 Euro
Stundenlohn. Hinzu kommen Flug,
Hotelübernachtungen, Fahrtkosten. "Ich habe
schon jetzt mehr als 20 000 Euro Schulden."Die 24jährige wird von der
Opferschutzorganisation Weißer Ring und der
"Elterninitiative vermisste Kinder" betreut, kann
von diesen Einrichtungen aber keine finanzielle
Unterstützung bekommen. Vor diesem
Hintergrund ruft Kreispräsident Burkhard E.
Tiemann alle auf, für die junge Frau zu
spenden. Er konnte bereits 250 Euro vom
Rotary-Club Schenefeld "loseisen". Das
Spendenkonto der "Elterninitiative vermisste
Kinder" bei der Deutschen Bank 24
(Bankleitzahl 200 700 24) trägt die Nummer 23
48 480, Stichwort Celina.erschienen am 21. Dezember 2004 in
Pinneberg