Remscheid. "Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll", klagt Anna B. (Namen geändert). Am 29. Mai sah sie zum letzten Mal ihren Sohn Christoph (vier Jahre). Seitdem hat sie nichts mehr von ihm gehört. Eine Spur führte sie nun nach Remscheid. Hier hatte die Frau bis vor zwei Jahren selbst gewohnt. Und hier lebt wahrscheinlich auch noch ihr geschiedener Mann.
Der hatte den kleinen Jungen abgeholt, als Anna B. ihn zuletzt sah. Am 13. Februar 1999 trennte sich das Ehepaar. Anna B. zog mit Christoph nach Frankfurt. Dort wurde am 29. Mai 2001 die Ehe geschieden. Aus dem Urteil: Das Sorgerecht werde gemeinsam ausgeübt, der Lebensmittelpunkt des Kindes sei bei der Frau. "Nur übers Wochenende" wollte der Mann den Jungen dann gleich mit nach Remscheid nehmen. Man einigte sich wegen der Distanz auf eine Woche. "Doch dann hat er angerufen und gesagt, dass sein Auto kaputt sei und er den Termin nicht einhalten könne", schildert Anna B.. Zwei Tage später, am 6. Juni, der letzte Anruf: "Ich weiß nicht, ob ich den Christoph überhaupt zurückbringe . . .", soll er gesagt haben.
Frau B. ging zur
Polizei, zum Anwalt, zum Richter. Das Amtsgericht Frankfurt beschloss am
20. Juni eine einstweilige Anordnung: Anna B. wird das Aufenthaltsbestimmungsrecht
übertragen, die sofortige Herausgabe des Kindes an sie wird angeordnet,
falls die Herausgabe verweigert wird, "kann auch Gewalt gebraucht werden".
Soll heißen: mit Hilfe der Polizei. Die Frankfurter und Remscheider
Polizei konnte aber bisher nicht helfen. Denn unter seiner angegebenen
Remscheider Adresse sei er nicht auffindbar. "Alte Bekannte haben ihn aber
letzte Woche in einem Auto in Remscheid gesehen", berichtet Frau B. Seit
einer Woche ist sie nun selbst hier. Und sucht. Und hofft. "Doch vielleicht",
fürchtet sie, "hat er ihn auch schon mit in Urlaub oder in seine Heimat
Polen mitgenommen . . ."
Donnerstag, der 12.
Juli 2001
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