Ehefrau im Gericht mit Messer bedroht

Neumünster (sd) Mit einem großen Jagdmesser bedrohte gestern im Amtsgericht Neumünster ein 30-jähriger Mann seine 22 Jahre alte Frau. Erst nach zwei Stunden gelang es der Polizei, den Mann zu überwältigen. Verletzt wurde niemand.

Vorangegangen war eine Sorgerechtsverhandlung über die drei Kleinkinder des getrennt lebenden Paares. Der Frau wurden gegen den Willen des Vaters das Sorgerecht für zwei Kinder zugesprochen.

Gellende Schreie hallten kurz nach 11 Uhr durch die Gerichtsflure. Eine Neumünsteraner Amtsärztin, die in einem benachbarten Gerichtssaal als Zeugin geladen war, lief aus dem Saal und war eine der ersten am Ort des Geschehens. In einem schmalen Durchgang vom Alt- in den Neubau des Gerichtes im ersten Stock lag die junge Frau auf dem Rücken. Der 30jährige kniete über ihr und bedrohte sie mit einem Jagdmesser.

Auch die bewaffneten Wachtmeister des Gerichts und alarmierte Streifenpolizisten konnten den 30-Jährigen nicht überwältigen. Erst im Zusammenspiel mit dem Speizial-Einsatzkommando aus Eutin und einem Notarzt, der besänftigend auf den Täter einredete, gelang einem Polizeibeamten vom zivilen Streifenkommando der Zugriff.

Zuvor hatten Bekannte, Angehörige und Justizmitarbeiter versucht, den Mann zu beruhigen. Doch selbst die Mutter des 30-Jährigen gab nach einigen Minuten völlig entnervt auf: "Auf mich hört er auch nicht. Er will doch nur das Beste für die Kinder." Einem Notarzt gelang es schließlich mit dem Mann ins Gespräch zu kommen. Der 30-Jährige warf seiner Frau unentwegt vor, nur zu trinken und die Kinder verwahrlosen zu lassen.

Die Kinder, drei und zwei Jahre sowie acht Monate alt, warteten derweil mit dem neuen Lebensgefährten der Frau ein Stockwerk höher.
 
 

01.09.1999
Kieler Nachrichten