Leopoldshöhe (cla). Die Nacht vom 8. auf den 9. April vergangenen Jahres wird Simone W. (Name geändert) wohl nicht vergessen. Es war die Nacht, in der sie der Vater ihres damals vierjährigen Sohnes über mehrere Stunden einsperrte, beschimpfte, mit dem Tod bedrohte, schlug, boxte und zweimal fast vergewaltigte. Erst als der damals 36-Jährige im Alkoholrausch eingeschlafen war, konnte die junge Frau aus der Wohnung in Leopoldshöhe entkommen.
Vor dem Lemgoer Amtsgericht bezog der Noch-Ehemann, ein gebürtiger Pole, am Freitag Morgen Stellung. Seiner Aussage zufolge hat nicht er seine Frau bedroht, sondern umgekehrt, sie ihn: Sie habe ihn beschimpft und beleidigt, geschlagen und an den Haaren gezogen. Streitpunkt sei das ungeklärte Sorgerecht für den Sohn gewesen. Da habe er sich natürlich wehren, ihre Hände festhalten müssen. Auch die Fingerabdruck großen Blutergüsse an den Innenseiten ihrer Schenkel seien auf diese Art zustande gekommen.
Doch es war wohl ganz anders. Der Angeklagte lockte seine Frau in seine Wohnung, indem er ihr am Telefon mitteilte, dass ihr Sohn krank und sie eine schlechte Mutter sei, falls sie nicht sofort komme. Als Simone W. wenig später mit dem Taxi eintraf, war das Kind kerngesund und schlief, der Gatte jedoch angetrunken. Er beleidigte und beschimpfte seine Frau; und als sie daraufhin gehen wollte, steckte er den Schlüssel der Wohnungstür, die zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen war, in seine Hosentasche.
Aus Angst habe sie ihm eine Ohrfeige verpasst, räumte die Zeugin ein. Der Mann ergriff daraufhin ihre Handgelenke (auch dort stellte der Arzt später Hämatome fest), drängte sie rückwärts ins Wohnzimmer und drückte sie auf das Sofa. Dort habe er sich zunächst für seine Beleidigungen entschuldigt, sie dann weiter beschimpft und mit der Faust immer wieder auf ihren Oberarm geschlagen.
Mit den Worten "Ich schneid dir jetzt die Kehle durch", holte er schließlich aus der Küche ein Messer mit einer etwa 20 Zentimeter langen Klinge. Sie habe sich voller Angst zusammengekauert, erinnerte sich Simone W. unter Tränen. Und als er ihr dann mit der Faust auf den Rücken schlug, habe sie gedacht, er hätte zugestochen.
Mehrmals versuchte das Opfer zu fliehen
Mehrmals versuchte Simone W. zu fliehen, zweimal zog ihr Mann sie daraufhin auf den Boden und versuchte sie zu vergewaltigen, ließ aber von ihr ab, als sie schrie und um sich trat.
Bis zuletzt zeigte der Angeklagte, der auf anwaltliche Vertretung verzichtet hatte, keinen Hauch von Reue. Er sei stolz darauf, dass er sich von seiner Frau nicht habe provozieren lassen, sagte er. Hämisch bedankte er sich bei ihr dafür, dass er in der Folge dieses Abends das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn erhalten habe. Wenn im Übrigen tatsächlich wahr wäre, was sie ausgesagt habe, dann hätte bei ihr doch mindestens ein Nasenbein- oder ein Rippenbruch "drin gewesen sein müssen", so seine Argumentation.
Letztlich hing die Entscheidung des Gerichts
an der Glaubwürdigkeit des Mannes. Und da er sich bei seiner Aussage
nicht an seine Erinnerung, sondern an die schriftlich niedergelegte Aussage
seiner Frau bei der Polizei vor einem Jahr gehalten hatte, die er im Detail
und mit windigen Erklärungen zu widerlegen versuchte, war es damit
nicht weit her. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von
acht Monaten, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden.
Außerdem hat er 2.000 Mark Geldstrafe zu zahlen.
14.08.2001
http://www.nw-news.de/news/lokal/bi/NW_20010811_2245165.html