Herforder entzog der Mutter das Kind
Haftprüfungstermin gestern vor dem Amtsgericht / Bis in den Jemen geflüchtet

VON MANFRED HÖRSTMANN

Herford. Weil er befürchtete, dass seine spanische Freundin Myriam den gemeinsamen Sohn vernachlässigte, brachte der Herforder Kinesiologe Axel B. den kleinen Eneko in den Jemen. Jetzt sitzt der Vater seit Ende März wegen Kindesentziehung im Bielefelder Untersuchungsgefängnis. Gestern wurde im Herforder Amtsgericht ein Haftprüfungstermin eingeräumt. Ergebnis: Der Vater des inzwischen siebenjährigen Kindes muss bis zur Hauptverhandlung weiter im Gefängnis ausharren.

In den 90er Jahren habe der Herforder Kinesiologe Myriam E. in einer Ashram-Kommune in Indien kennen gelernt, berichtet sein Rechtsanwalt, der Münsteraner Michael Rietz, auf B.s Wunsch der  Neuen Westfälischen.

Myriam E. ist die Tochter einer einflussreichen baskischen Familie. Zusammen seien die beiden nach Spanien gezogen. Nach zwei Jahre siedelten sie mit ihrem Sohn Eneko nach Herford um. Hier habe sich die Spanierin jedoch nie einleben können. Gemeinsam mit ihrem Sohn zieht sie zurück nach San Sebastian, während B. in Herford praktiziert.

So oft wie möglich sei er zu seinem Sohn ins Baskenland gereist. Dort sei ihm aufgefallen, dass Eneko einen mehr und mehr vernachlässigten Eindruck gemacht habe, besonders auch in hygienischer Hinsicht.

Myriam E. habe in dieser Zeit einen jungen Belgier als Liebhaber gehabt. Baumgart führt und gewinnt daraufhin einen Prozess um das Sorgerecht für Eneko, woraufhin seine ehemalige Lebensgefährtin in die nächste Instanz geht.

Eneko wird in der Schule geschlagen. Daraufhin geht B. mit den Lehrern, der Stadt und schließlich dem Parlament heftig ins Gericht. Prompt verliert er das Sorgerechtsverfahren und bekommt lediglich ein Umgangsrecht. Myriam E. zieht mit ihrem Liebhaber nach Belgien und bringt den Jungen regelmäßig für die Besuchskontakte bis zur belgischen Grenze, wo der Vater den Sohn in Empfang nimmt.

Eneko habe noch immer deutliche Zeichen von Vernachlässigung aufgewiesen. Er habe auch berichtet, die Mutter verbringe den ganzen Tag vor dem Fernseher, während er sich selbst überlassen sei. B. habe daraufhin gefragt, ob Eneko lieber bei ihm bleiben wolle, was der Junge bejaht habe.

Mit einem alten Pass des Jungen besorgt B. im Januar 1999 ein Visum für den Jemen. Über Rom erreichen sie die jemenitische Hauptstadt Sana. Er lernt einflussreiche Leute kennen, die ihm bedeuten, dass der Einfluss der Mutter im Jemen gering sei, wenn B. mit seinem Sohn zum Islam übertrete. Ein Rat, den der Herforder bald befolgt.

Inzwischen lässt Myriam B. ihren Sohn weltweit via Internet suchen. Schließlich entdeckt sie, dass sich B. und ihr Sohn im Jemen aufhalten. Sie reist mit ihrer Familie nach Sana, um den Jungen zurückzuholen. Inzwischen bauscht die spanische Presse die Geschichte mächtig auf. Die Tageszeitung "El Diario Vasco" füllt ganze Seiten mit einer rühr- seligen Mutter-und-Kind-Geschichte.

Schließlich verhandelt der spanische Außenminister mit seinem jemenitischen Amtskollegen über die Rückführung des Kindes.

Obwohl der Jemen nicht das "Haager Übereinkommen zur Rückführung entführter Kinder" unterzeichnet hat, entschließt sich die Regierung schließlich "demokratisches Profil zu zeigen" und der Familie E. den Jungen auszuhändigen.

Die spanischen Zeitungen überschlagen sich förmlich vor Begeisterung. Doch als ein übereifriger Reporter Eneko fragt, ob er nicht froh sei, wieder in Spanien zu sein, antwortet der aufgeweckte Siebenjährige, der inzwischen neben Deutsch, Englisch und Spanisch auch die arabische Sprache gelernt hat, mit einem klaren Nein.

Inzwischen ist Axel B. aus dem Jemen abgeschoben worden und auf dem Frankfurter Flughafen verhaftet worden. Sechs Wochen lang saß er in der Bielefelder U-Haft.

Während des gestrigen Haftprüfungstermins vor dem Herforder Amtsgericht räumte er die Kindesentziehung ein, gab aber als Motiv die Sorge um das Wohl seines Kindes an.

Eneko sei während ihrer gemeinsamen Zeit deutlich aufgeblüht. Amtsrichterin Meier entschied jedoch, dass B. bis zur Hauptverhandlung in Haft bleiben müsse. Sie erachtete das Risiko zu groß, dass der als Kosmopolit bekannte Herforder sich ins Ausland absetzten könnte.
 


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