Totschlag im Streit um Kinder - Libanese erhält neun Jahre Haft

Heidelberg (dpa/lsw) - Ein 29 Jahre alter Mann ist vom Heidelberger Landgericht wegen Totschlags zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass der Libanese seine Frau im Streit um das Sorgerecht für die Kinder erstochen hat. Er habe seine Frau im März aus Angst vor dem Verlust seiner Kinder in einer Tiefgarage getötet, sagte der Vorsitzende Richter Edgar Gramlich. Die Verteidigung hatte auf Grund verminderter Schuldfähigkeit sechs Jahre Haft beantragt. Oberstaatsanwalt Rüdiger Lutz hatte zwölf Jahre Haft gefordert. Ob die Staatsanwaltschaft in Revision gehen wird, werde in den kommenden Tagen entschieden. «Wir nehmen die Entscheidung des Gerichts gelassen entgegen», sagte Staatsanwalt Lutz.

Die 22 Jahre alte Frau hatte ihrem Mann kurz vor der Tat eröffnet, dass sie ein Kind von ihrem neuen Freund erwarte - «was aber nicht stimmte», sagte Richter Gramlich. Sie wollte offenbar mit dem Kosovo- Albaner in dessen Heimat gehen. Am Tattag habe sich das Ehepaar getroffen, um über das Sorgerecht für die zwei gemeinsamen Kinder zu sprechen, sagte Gramlich. Erst auf dem Weg zum Wagen des Angeklagten sei es in der Tiefgarage zum Streit gekommen, woraufhin der Mann seine Ehefrau mit zehn Messerstichen tötete. «Die Tat war von starken Emotionen, Wut, Zorn, Angst geprägt», meinte der Richter. Es habe sich um eine spontane Tat gehandelt. Dafür spreche, dass ein voll besetztes Parkhaus kein «idealer Tötungsort» sei.

Zur Milderung des Strafmaßes habe neben dem Geständnis des Libanesen auch seine Haltung direkt nach der Tat beigetragen. «Der Angeklagte hat durch einen Zeugen Polizei und Krankenwagen verständigen lassen», sagte Richter Gramlich. Er habe sich der Polizei gleich gestellt und keine Fluchtversuche unternommen.
 
 

21.12.2000
regional heidelberg