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Streit um Achtjährige: Tante zeigt Familienrichterin an
Der Streit um das Sorgerecht für Anna N. (8) aus Döhren geht weiter: Margret N. (46), Annas Tante, hat jetzt Familienrichterin Jutta Mahramzadeh (53) wegen Rechtsbeugung angezeigt. Die Juristin habe das Verfahren seit Monaten verschleppt. Das Tauziehen um Anna N. (8) aus Döhren hält nun schon seit Dezember 1999 an. Das Kind war damals nach einem Besuch bei der Mutter nicht mehr zum Vater Matthias N. (45) zurückgekehrt. "Das ist Kindesentzug",lautet das Urteil von Matthias N., der seit 1995 das Sorgerecht für Anna hat. Die Mutter rechtfertigte sich: Ihr Mann würde das Kind gegen sie aufhetzen und psychisch unter Druck setzen. Nach einer eidesstattlichen Erklärung bekam sie vorübergehend das Aufenthaltsbestimmungsrecht für Anna. Richterin Mahramzadeh entschied damit auch gegen das Jugendamt, dass Anna lieber beim Vater gesehen hätte. Der Rechtsstreit ging vor das Oberlandesgericht (OLG) in Celle: Dort sagte eine Mitarbeiterin des Jugendpsychologischen Dienstes (JPD), dass das Kind solange bei seiner Mutter bleiben soll, bis endgültig über das Sorgerecht entschieden ist. Das war im Februar. Bis heute hat sich an diesem Stand nichts geändert. Anna lebt nach wie vor bei ihrer Mutter. Das Umgangsrecht des Vaters ist ausgesetzt. "Weder das Jugendamt noch der Vater sind gehört worden. Es ist kein Anwalt für das Kind bestellt worden, eine Begründung kennen wir nicht", so Margret N., die Schwester von Annas Vater. Der Sorgerechtsstreit läuft noch, bestätigt Reinhard Wiehe (43), der Sprecher des Amtsgerichts. Zur Anzeige gegen Richterin Mahramzadeh sagt er knapp: "Die Staatsanwaltschaft muss jetzt die Ermittlungen aufnehmen." Kritik an Familienrichterin Mahramzadeh gab es seit Beginn des Verfahrens. Als ein Mitarbeiter des Jugendamtes im Dezember 1999 Anna wieder zum Vater bringen wollte, spielte die Mutter nicht mit. Es fehle ein richterlicher Herausgabebeschluss, sagte sie. Mehrere Tage versuchte damals das Jugendamt, die Familienrichterin zu erreichen. Vergeblich. Dann entschied Mahramzadeh, dass Anna vorläufig bei der Mutter bleiben soll. In Juristen-Kreisen gilt das Verhalten von Annas Mutter als rechtswidrig. Auch die Entscheidung von Richterin Mahramzadeh stieß auf Unverständnis.
Das OLG beließ das Kind trotzdem bei der Mutter - so lange, bis über
das Sorgerecht entschieden ist.
25.10.2000
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