Ein trauriges Weihnachtsfest

Papa von Ryan und Kyle muss höchstwahrscheinlich in USA vor Gericht – Anträge abgelehnt

Von Jörg Renner

Hahnbach. Zwei aufgeweckte, kleine Buben mit ihrer Mama in der Vorweihnachtszeit, das Christkind kommt bald, und alle freuen sich schon. Doch hier ist alles anders. Ihren Vater mussten sie am Montag im Gefängnis besuchen, konnten kaum mit ihm reden. Ihre Mutter muss arbeiten, sich mit allen möglichen Leuten auseinandersetzen, den Haushalt machen und in die Arbeit gehen. Zum Glück gibt es noch Oma und Opa.

So sieht die Vorweihnachtszeit für den neunjährigen Ryan und den siebenjährigen Kyle aus. Ihre Oma richtet für sie in der Früh das Frühstück und das Pausenbrot her, weil ihre Mama schon in der Arbeit ist. Mittags kümmert sich auch Oma um sie, weil Mama noch immer in der Arbeit ist. Und ihr Papa ist seit zweieinhalb Wochen weg.

Das ist das Schicksal der Cummings, deren Vater in Auslieferungshaft sitzt, weil er seine eigenen Kinder entführt haben soll aus den USA (wir berichteten).

"Jippie, es ist Vorweihnachtszeit!", sagte gestern Nachmittag Elfriede Cummings unter Tränen, gerade hatte sie erfahren, dass das Oberlandesgericht Nürnberg die Anträge des Anwalts ihres Mannes abgelehnt hat. Rechtsanwalt Rainer Fleischmann musste feststellen: "Ich sehe momentan keine Möglichkeit, Schritte zu Gunsten Herrn Cummings zu unternehmen."

"Das ist doch unglaublich und ein Schmarrn, dass man gar nicht über eine Haftverschonung oder eine mündliche Verhandlung reden kann. Mehr wollten wir doch nicht, als auch über Alternativen zu sprechen", sagte Elfriede Cummings aufgelöst.

"Es interessiert keinen Menschen, wie es mit uns weiter gehen soll. Mein Mann landet womöglich in den USA hinter Gittern. Meint irgend jemand, da bekommt er ein Sorgerecht? Die sind doch alle bescheuert, er hat es ja nicht einmal gekriegt, als er bei der Army war", betonte die Hahnbacherin verzweifelt.

"Weiß jemand, wie es Cole im Gefängnis geht? Er versteht kaum deutsch, zum Teil nicht einmal die Durchsagen über die Lautsprecher", bemängelte Elfriede Cummings die Situation.

Am Montag war sie mit den Buben bei ihrem Papa. "Zweimal im Monat eine halbe Stunde, das ist doch bescheuert", beklagte sie sich. "Da sitzen zehn andere außen rum, lachen, schreien, wollen Geld gewechselt haben, und wir versuchen, die wichtigsten Neuigkeiten auszutauschen. Da blieb für die Buben doch fast keine Zeit mehr."

Dieses Weihnachtsfest ist für die Cummings wohl im wahrsten Sinn des Wortes ein Milleniumsfest – doch über die Art und Weise, wie die Familie den Jahrtausendwechsel erleben muss, wird sich keiner freuen.

Und es erfordert von Mama, Oma und Opa schon fast übermenschliche Anstrengungen, den ohnehin früher geschundenen Kindern die ganze Verzweiflung nicht anmerken zu lassen.
 

Donnerstag, 25. November 1999
Amberger Zeitung