Vater der im Main entdeckten toten Kinder europaweit gesucht

Mutter wollte sich scheiden lassen

Frankfurt/Main. (ap) Die Polizei hat die Fahndung nach dem Vater der beiden tot im Main aufgefundenen Jungen europaweit ausgedehnt. Gegen den 43-jährigen Deutschen indischer Herkunft wurde Haftbefehl erlassen. Die Todesursache ist weiter unklar. Mit Ergebnissen toxikologischer Untersuchungen rechnen die Ermittler erst Anfang kommender Woche.

Die Kinder wurden möglicherweise am vergangenen Samstagabend von ihrem Vater vergiftet und anschließend in den Main geworfen. In zwei Briefen beschrieb er den Tod der Kinder als Unfall mit einem Fahrrad, bei dem die Kinder in den Main stürzten. Über den genauen Inhalt wollte Staatsanwalt Job Tilmann nichts sagen.

Der Obduktionsbericht hat nach Polizeiangaben jedoch ergeben, dass die Kinder nicht ertrunken sind. Auch Anzeichen äußerer Gewalteinwirkung seien nicht festgestellt worden. Wegen der Fesselung sei ein natürlicher Tod aber auszuschließen.

Die Kinder hatten das vergangene Wochenende beim Vater in Offenbach verbracht. Als sie nicht wie vereinbart am Sonntagabend zur Mutter zurückgekommen seien, habe sie sich an die Polizei gewandt und am Dienstag gegen ihren Mann Anzeige wegen Kindesentziehung erstattet. Am Mittwoch waren die Leichen von Schiffern auf dem Main entdeckt worden.

Die Eltern leben seit etwa einem Jahr getrennt, die Mutter habe sich von ihrem Mann scheiden lassen wollen, sagte Inge Köhler, stellvertretende Leiterin des Frankfurter Jugendamtes. Bereits im vergangenen Jahr habe sich die 36-jährige Mutter um eine Sorgerechtsregelung für die beiden Kleinkinder bemüht. Im August 2001 hätten intensive Gespräche zwischen den Eltern und dem Jugendamt begonnen.

Das Familiengericht Frankfurt habe im Dezember über eine f entschieden, sagte Köhler. Die Kinder sollten nach ihren Angaben bei der Mutter im Frankfurter Stadtteil Griesheim wohnen, dem Vater wurde ein Besuchsrecht zugestanden.

Alle 14 Tagen habe er die Kinder das Wochenende über bei sich gehabt. Anzeichen, dass er die vier und fünf Jahre alten Jungen während dieser Zeit geschlagen oder misshandelt habe, seien nicht bekannt, erklärte Köhler.

26.07.2002
http://rundschau-online.de/vermischtes/allewelt/2864484.html