Familien-Drama am Baggersee
Vater kaufte seinem Sohn Eis, dann ging
er mit ihm ins Wasser
Ein süßer,
fröhlicher Junge: Carlos († 9) lebte im
Heim, weil seine Mutter überfordert mit ihm war. Als er das letzte Mal
lebend
gesehen wurde, soll er gesagt haben: „Ich will da nicht wieder hin“
16.03.2010 -
23:52 UHR
Von J. BRÜCHER,
T. RAUFFMANN und G. XANTHOPOULOS
Es
sieht aus wie ein ganz normaler Bierdeckel: Preise für Eiscreme, ein
Strich für
eine Fanta. Doch dieser Bierdeckel ist das letzte Lebenszeichen von
Deniz A.
(† 33) und seinem Sohn Carlos († 9) aus Köln. Dann
geschah die grausigste
Familientragödie des Jahres.
Rückblick: Am
Sonntagmorgen holte der Albaner seinen Sohn
bei der getrennt lebenden Mutter Rita E. (38) ab. Eigentlich lebt
Carlos im Heim,
aber alle zwei Wochen darf er nach Hause. Vater Deniz bekam den Jungen
nur
tagsüber – wegen „Verletzung der Aufsichtspflichten in der
Vergangenheit“, sagt Klaus-Peter Völlmecke vom Jugendamt. Er soll
früher
mit Carlos harte Actionfilme angesehen haben.
Am Sonntag, dem
Papa-Tag, gingen Vater und Sohn gegen 16 Uhr
ins Stammlokal „Daddy’s Veedel“. Wirtin Angela Z. erinnert
sich: „Er bestellte Weißwein, sein Sohn bekam ein
„Push-Up“-Eis. Dann spielten sie Dart und warteten auf einen freien
Billardtisch. Sie hatten Spaß und wirkten wie eine Einheit. Man sah,
wie sehr
er an seinem Sohn hängt.“
Um 17 Uhr rief
der Vater im Heim seines Sohnes an und sagte,
dass er Carlos etwas später zurückbringt. Dann bestellte er sein
sechstes
Kölsch, eine Fanta und ein Eis. Die Wirtin: „Sie waren vier Stunden bei
mir. Der Vater wollte ihm den Wunsch, Billard zu spielen, erfüllen.“
Um
19.50 Uhr bezahlte der Vater die Rechnung, gab Trinkgeld und verließ
mit seinem
Sohn und einer Reisetasche das Lokal. Ein Gast hörte den Kleinen sagen:
„Papa, ich will nicht, dass du mich wieder dahin bringst ...“
Um 22 Uhr
meldete das Heim den Jungen als vermisst. Am
nächsten Morgen entdeckten Spaziergänger am See eine Picknickdecke,
Spielzeug
und ein Kinderfahrrad. Polizeitaucher zogen wenig später die Leichen
aus dem
Wasser. Sie waren mit einem Seil an der Hüfte und den Knien
zusammengebunden.
Äußere Verletzungen hatten sie nicht.
Die
Staatsanwaltschaft bestätigte gestern, dass es Selbstmord war. Der
Vater hatte
auch einen Abschiedsbrief hinterlassen.
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