Vera Jüngst: Janina ist alles, was ich habe

Eine Frau sucht ihr Kind. Am 11. Januar hat Vera Jüngst ihre Tochter Janina zum letzten Mal gesehen, seither ist die Fünfjährige spurlos verschwunden. Die Mutter ist sich sicher, dass ihr Ehemann die Tochter zu sich genommen hat.

 Vera Jüngst ist verzweifelt. Stockend erzählt sie, wie ihr einziges Kind verschwunden ist, wie sie seit zwei Monaten auf ein Lebenszeichen der Kleinen wartet. Immer wieder kommen ihr die Tränen. "Janina ist alles, was ich habe", sagt die Brasilianerin, die 1993 nach Velbert zog. Und: "Meine Tochter ist meine Familie."

An jenem 11. Januar, berichtet Vera Jüngst, sei sie mit Janina im Amtsgericht Düsseldorf erschienen, wo über das so genannte Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Fünfjährige entschieden werden sollte. Kurz vor der Verhandlung sei dann ihr Ehemann, von dem sie seit letztem November getrennt lebe, vor dem Gerichtssaal erschienen: "Er hat unsere Tochter in den Arm genommen und ist dann mit ihr weggefahren." Das Familiengericht habe deshalb in der anschließenden Verhandlung ihr allein das Aufenthaltsbestimmungsrecht zugesprochen.

Von ihrer Tochter und ihrem Ehemann fehlten seither jede Spur, sagt die 33-Jährige. Über die Familie ihres Mannes, die in Velbert wohne, habe sie immer wieder versucht, etwas über den Aufenthaltsort von Mann und Tochter zu erfahren - vergeblich. "Man hat mir gesagt, dass Janina in Amerika ist, doch das glaube ich nicht", sagt Vera Jüngst. Die Mutter vermutet, dass man sie mit falschen Ortsangaben verwirren wolle. "Meine Tochter ist in Deutschland, vielleicht sogar in Velbert", meint sie.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf bestätigt, dass sie ein Ermittlungsverfahren gegen Vera Jüngsts Ehemann wegen Kindesentziehung eingeleitet hat. Michael Schwarz, Sprecher der Staatsanwaltschaft: "Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, ungerechtfertigt seine fünfjährige Tochter, über die seine Ehefrau das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht innehat, entzogen zu haben." Die Kriminalpolizei, so der Staatsanwalt weiter, "hänge sich ´rein", um den Aufenthaltsort des Ehemannes herauszufinden. "Doch die Ermittlungen brauchen ihre Zeit", so Schwarz.

Vera Jüngst hat am morgigen Sonntag Geburtstag. Die Brasilianerin, die Ende 1998 mit ihrem Mann von Velbert nach Düsseldorf gezogen war, hat nur einen Wunsch: "Vielleicht ruft ja mein Mann an und sagt mir, wo Janina ist." Die Handy-Nummer habe er, erreichbar sei sie Tag und Nacht : "Ich schlafe sogar mit dem Handy unterm Kopfkissen", sagt die verzweifelte Mutter. M.M.
 
 

11.03.2000
WAZ