DARMSTADT. Nach dem Selbstmord eines US-amerikanischen Geiselnehmers in Darmstadt hat das hessische Landeskriminalamt am Donnerstag die Ermittlungen übernommen. Als Motiv für die Tat vom Mittwoch vermutet die Polizei einen "klassischen Ehestreit". Der 26 Jahre alte US-Soldat hatte seine Familie als Geisel genommen und sich nach einem Angriff der Polizei selbst getötet: Als die Beamten gegen 21 Uhr die Wohnung stürmten, schnitt er sich in die Halsschlagader, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Der beim Einsatz anwesende Notarzt konnte nicht mehr eingreifen.
Der Mann hatte sich nach Angaben der Polizei den ganzen Tag mit seiner Frau gestritten. Er habe sie geschlagen und sich betrunken. Am Nachmittag sei der Ehefrau die Flucht aus der Wohnung gelungen. Der Mann habe sich jedoch geweigert, die zwei Jahre alte Tochter und den sechs Monate alten Sohn freizugeben. "Wir mussten befürchten, dass der stark alkoholisierte Mann seine Kinder und dann sich selbst töten könnte", sagte Polizeisprecher Heiner Jerofsky. Als der Täter das Kinderzimmer kurzzeitig verlassen habe, sei der Zugriff erfolgt. Beim Sturm der Wohnung habe sich der Soldat selbst verletzt, sei mit letzter Kraft auf die Beamten losgegangen und dann zusammengebrochen. Die Kinder hätten von diesem Vorfall abgeschirmt werden können. Sie wurden unverletzt gerettet.
Nach Auskunft von Hilde Patton, Sprecherin
des 5. US-Armeekorps, ist die Ehefrau 35 oder 36 Jahre alt und steht unter
Schock. Auch die Armee gehe von einer privaten Auseinandersetzung aus.
Der Soldat sei bislang nicht aufgefallen. In seinem Verhalten im Vorfeld
habe nichts auf eine solche Tat hingewiesen. lhe
10.01.2002
Frankfurter Rundschau
www.fr-aktuell.de/fr/183/t183004.htm