Jugendamt kümmert sich um Zukunft der Kinder
Von Alexandra Ritter
Braunschweig Der Täter ist geständig. Ja, er habe die tödlichen Schüsse auf seine Ehefrau am Freitagabend im Wellekamp abgefeuert. Und ja, er habe sich zuvor eine Waffe besorgt und diese nach der Tat entsorgt. Doch zum Motiv schweigt er sich bisher aus. Angehörige vermuten jedoch eine Beziehungstat, sprechen davon, seine Ehefrau habe ihm nach der Trennung vor neun Monaten die beiden gemeinsamen Kinder vorenthalten. Und genau die gilt es jetzt, nach der Tat, zu betreuen. Denn beide, der 13-jährige Sohn und die 15-jährige Tochter, waren in der Wohnung, als der Vater die tödlichen Schüsse auf die Mutter abfeuerte. "In der Regel tritt nach solch einem Vorfall eine posttraumatische Belastungsstörung auf", sagt die renommierte Psychologin Professor Dr. Elisabeth Müller-Luckmann aus Braunschweig. "Die Kinder müssen jetzt individuell psychologisch betreut werden." Ohne eine Betreuung könne man die Kinder nicht in den normalen Alltag entlassen. "Sonst können sie Albträume, Essstörungen, Depressionen oder psychosomatische Störungen bekommen oder ein allgemeines mitmenschliches Misstrauen aufbauen", so Müller-Luckmann.
Der Geschäftsbereich Jugend der Stadt hat sich gestern bereits mit den weiteren Angehörigen der Kinder in Verbindung gesetzt. "Wir haben ihnen die richtigen Angebote gemacht", hält sich Geschäftsbereichsleiterin Carola Kirsch bedeckt und verweist auf ihre Schweigepflicht. Psychologische Hilfe hält Kirsch zwar für wichtig, aber nur dann für sinnvoll, "wenn sie gewollt ist". Auch der Schule der Kinder habe sie Unterstützung angeboten, so Kirsch. "Wir sind mit den Klassenlehrern und der Schulleitung im Gespräch, haben geklärt, wie mit den Kindern und den Mitschülern umzugehen ist." Erste Maßnahme: Die Klassenlehrer waren gestern in allen Unterrichtsstunden ihrer Klassen anwesend, gaben den Mitschülern der Kinder die Möglichkeit, über das Geschehene zu sprechen. "Bewältigungssprechen nennt man das", so Kirsch. Und was wird aus dem Sorgerecht für die beiden? "Da werden wir eine Regelung finden", sagt Kirsch.
Dienstag, 05.11.2002
http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/2165/artid/918655