46-Jähriger schoss auf Tochter
und Lebenspartnerin - dann tötete er sich selbst
Zweijährige überlebte
wie durch ein Wunder
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| Von Dieter Schäfer |
| Beziehungsdrama auf dem Spielplatz
Herzogin-Elisabeth-Straße/Ecke Georg-Westermann-Allee: Mit einer
Pistole vom Kaliber 45 schoss am frühen Sonnabendabend ein 46-jähriger
Immobilienhändler auf seine zwei Jahre alte Tochter, die nach den
Treffern durch die großkalibrige Waffe wie durch ein Wunder überlebte,
und auf seine ehemalige Lebenspartnerin (30). Danach schoss sich der Mann
in den Kopf. Er starb vier Stunden später im Krankenhaus. Die Frau
hatte ihn kürzlich verlassen. Auf dem Spielplatz stritten sie über
das Sorgerecht für das Kind. |
| Unmittelbar nach den Schüssen herrschte
dort totale Verwirrung. Einige Spielplatzbesucher gingen in Deckung, andere
eilten den Verletzten zu Hilfe. Nach den Treffern hatte die Mutter das
Mädchen an sich gerissen und war geflüchtet. Unter Schock spürte
sie anfangs keine Schmerzen, merkte erst kurze Zeit später, dass die
Zweijährige blutete. Ein Arzt aus Düsseldorf, in Braunschweig
zu Besuch und im Park ganz in der Nähe des Spielplatzes unterwegs,
leistete bis zum Eintreffen des Notarztes Erste Hilfe. Das Mädchen
war von Schüssen im Brustbereich und im linken Oberschenkel getroffen
worden. Die Mutter traf ein Schuss ins Knie. Mutter und Tochter sind inzwischen
außer Lebensgefahr. |
| Wie die Polizei inzwischen aus vielen
Zeugenaussagen rekonstruierte, wollte der Immobilienmakler seine Tochter
und danach sich selbst erschießen, um damit seine ehemalige Partnerin
für den Rest ihres Lebens "mit Gewissensbissen zu bestrafen". Zeugen
bestätigten auch, dass die Mutter durch den Knieschuss verletzt wurde,
als sie sich schützend vor ihr Kind stellte. |
| Kurze Zeit später schoss sich der
46-jährige selber in den Kopf. Er starb gegen 23Uhr in einer Braunschweiger
Klinik. Der Mann war nicht im Besitz eines Waffenscheines. Über die
Herkunft der Waffe, deren Munition einen Durchmesser von gut einem Zentimeter
hat, ist nach Auskünften von Polizeisprecher Klaus Buhlmann bislang
noch unklar. |
| Erst vor etwas mehr als zwei Jahren waren
der Immobilienmakler und seine Gefährtin in die Dierckestraße
gezogen. Sie hatten hier ein hübsches, direkt am Forstsee gelegenes
Holzhaus gemietet. Die junge Frau war schwanger. Wenig später wurde
ihre Tochter geboren. |
| Nachbarn schildern den Immobilienmakler
als sehr "durchsetzungsstark". Auch bei der Polizei ist er nach Auskunft
von Pressesprecher Buhlmann als "aggressionsbereit" bekannt. |
| Die Aggression des 46-Jährigen bekam
die junge Mutter immer wieder zu spüren. Der Mann schlug zu. Nachbar
Erwin Lohre wundert sich: "Die drei machten den Eindruck einer sehr harmonischen
Familie. Niemand ahnte, dass sich in dem Haus schlimme Dinge abspielten." |
| Die Frau wollte die Drangsalierungen
des Mannes nicht länger ertragen. Sie beschloss, sich von ihrem gewalttätigen
Partner zu trennen. Gemeinsam mit dem Kind verließ sie das Haus am
Forstsee. Im westlichen Ringgebiet hatte sie inzwischen eine eigene Wohnung
gefunden. |
| Der Vater konnte die Trennung nicht verwinden.
"Das Kind war sein Leben", schildert der Nachbar seine Beobachtungen. Liebevoll
hatte er den kleinen Hof am Holzhaus total auf das Kind ausgerichtet: Spielhaus,
Rutsche, Schaukel, Sandkiste, unzähliges Spielzeug - ein kleines Paradies. |
| In einer Ecke stehen noch immer ein Herren-
und ein Damenfahrrad - an den Lenker des Damenrades ist ein Kindersitzkorb
montiert. Der kleine Sturzhelm hängt an der Lenkstange. Es scheint,
als werde die Familie jeden Moment zurückkehren. |
| Auf dem rustikalen Gartentisch stehen
eine Flasche Rotwein vom Weingut Rosenhof und zwei Gläser. In einem
der Gläser kleben Rotweinreste. Auf dem Boden des anderen Glases steht
der Rest von Mineralwasser. Lohre: "Ich weiß nicht, wer hier am Sonnabend
noch zu Besuch war." |
| Vor kurzen wurde es auffallend still
in dem Haus, erinnern sich Nachbarn. "Die Frau sagte, sie fährt zu
ihrer Mutter", berichtet Elsbeth Lohre. "Mit keinem Wort erwähnte
sie, dass sie sich von ihrem Partner trennen wollte." |
| Verzweifelt versuchte der Verlassene
die Frau zur Rückkehr zu bewegen. Vor allem der Verlust seines Töchterchens
schien ihm unvorstellbar. Er bat, drohte, stellte Ultimaten. Vergebens.
Die Mutter blieb hart. Schließlich ließ sie sich auf ein Treffen
auf dem Spielplatz ein. |
| Die Leiche des Schützen wurde Sonntag
obduziert. |
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