Streit um die Kinder: Vater drehte durch
 

Fast vier Stunden lang hielt gestern der 34-jährige Alaatin B. vor dem Landgericht die Polizei in Atem. Er drohte, sich mit einem Küchenbeil umzubringen, wenn er nicht seine beiden Kinder zurück bekomme.

Mit seinem blauen Lieferwagen fuhr der in Bochum lebende Mann gegen 9.50 Uhr auf den Husemannplatz. Auf die Seitenwände des Wagens hatte er in gebrochenem Deutsch seine Forderung geschrieben. Polizeibeamte hatten den Platz vor dem Landgericht weiträumig abgesperrt. Immer wieder versuchten Polizisten, den 34-Jährigen zur Aufgabe zu überreden.

Gleichzeitig bereitete sich ein Sondereinsatzkommando darauf vor, den mit Messer und Küchenbeil bewaffneten Mann zu überwältigen.

Nach fast vier angespannten Stunden griff die Polizei zu einer List, um den lebensmüden Mann aus seinem Wagen zu locken. Ein als Staatsanwalt verkleideter Polizist verwickelte ihn in ein Gespräch. Alaatin B. folgte zum Gerichtsgebäude. In der Eingangsschleuse überwältigten ihn drei SEK-Beamte. Bei der Festnahme verlor der 34-Jährige das Bewusstsein. Ein Krankenwagen transportierte ihn in die Psychiatrie an der Alexandrinenstraße.

Der entschiedene Zugriff sei, so die Polizei, wegen der ernstzunehmenden Selbstmorddrohung voll gerechtfertigt.

Am Dienstag war ihm das Sorgerecht über seine neunjährige Tochter und seinen zehnjährigen Sohn entzogen worden. Seine 33-jährige Ex-Frau hatte ihn im vergangenen Jahr wegen Körperverletzung angezeigt. Oberstaatsanwalt Wolfgang Dörsch: "Sie gab an, er habe sie und die beiden kleinen Kinder mit der Faust geschlagen." Das Ermittlungsverfahren wurde im November 1999 eingestellt, da sich die Vorwürfe nicht erhärten ließen. Die Frau lebt mittlerweile mit den beiden Kindern in einem Frauenhaus in Castrop-Rauxel.

Bereits am Dienstagabend hatte Alaatin B. über den Notruf der Polizei mit Selbstmord gedroht. Später am Abend erschien er auf der Wache der Polizei-Inspektion Ost und übergab einen Brief. Darin forderte er "Gerechtigkeit" und kündigte seinen Selbstmord an, falls er nicht bis zum 15. März seine Kinder zurück erhalte.

mike
 

23.02.2000
WAZ