"Ich hätte mein Kind nie wieder gesehen"

Dokument eines erbitterten Sorgerechtsstreits: Der "Fall Clara" sorgte im Sommer für Schlagzeilen. Nach der Kindesentziehung und Flucht nach Argentinien melden sich Vater und Mutter der Dreijährigen zu Wort.

WILFRIED ROMBOLD

Die Ehe zerbricht, ein erbitterter Kampf um das Sorgerecht des gemeinsamen Kindes beginnt. Immer mehr solcher Streitfälle werden auf den Rücken von Scheidungskindern ausgetragen, und immer ofter gehen Eltern in ihrer Verzweiflung auch bis zum äußersten. Sie entführen ihr Kind und setzen sich ins Ausland ab.

Wie Tom Schmidt, Vater der dreijährigen Clara, deren Fall diesen Sommer für Schlagzeilen sorgte. Der Universitätsdozent wartet derzeit in Buenos Aires auf seine Auslieferung nach Österreich. Als freier Mensch, wie er betont, aus der Haft wurde er inzwischen entlassen. Der Kleinen Zeitung schildert er, warum er sich zur Flucht nach Argentinien entschloss. Und er ist davon überzeugt, dass ihm von den Behorden und der Justiz in Österreich übel mitgespielt wurde.

Krankhafte Beziehung

"Ich habe mich nach der Geburt unserer Tochter karenzieren lassen, um Clara betreuen zu konnen und wurde so für sie zur Hauptbezugsperson", holt er aus. Doch die Ehe ging in Brüche, Mutter Deniza, gebürtige Bosnierin, wurde vorläufig die Obsorge für das Kind übertragen. Eine Sachverständige attestierte dem 39-Jährigen eine krankhafte Beziehung zu Clara, die sich in einer unnatürlichen, übertriebenen Fürsorglichkeit äußere. "Diese Gutachterin tat sich durch offenkundige Voreingenommenheit und Inkompetenz hervor", kontert der Vater.

Seine Sicht der Dinge ist natürlich eine andere. Drei verschiedene Wohnorte und fünf verschiedene Betreuungspersonen habe die Mutter Clara zugemutet. Kontakte zwischen ihm und seiner Tochter habe sie boykottiert. Und sogar Misshandlungen des Kindes will er beweisen konnen. Doch seine Appelle an das Jugendamt und der psychologischen Sachverständigen seien ungehort geblieben.

Flucht geplant

"Ich hielt es mit meiner elterlicher Verantwortung nicht mehr für vereinbar, Clara in diesen Verhältnissen zu lassen", so Tom Schmidt. Am 16. Mai setzte er sich mit seiner Tochter in ein Flugzeug Richtung Argentinien. Knapp zwei Monate später spürte ihn die Interpol auf - als er mit Clara einen Bus in Richtung Paraguay besteigen wollte.

"Was soll ich mich noch rechtfertigen? Paraguay, das sagt doch alles. Ich hätte mein Kind nie wieder gesehen" - Claras Mutter Deniza ist überzeugt, dass ihr Ex-Mann in Südamerika eine neue Existenz aufbauen wollte. Die Flucht sei von langer Hand geplant gewesen, glaubt sie. Deniza Schmidt hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Clara wieder zu finden. Internationale Fahndung, Aufrufe über die Medien, eigene Internet-Homepage - nichts blieb unversucht.

Jetzt musste die Frau Kritik dafür einstecken, dass sie nach dem für sie glücklichen Ende der Kindesentziehung die Öffentlichkeit plotzlich mied. "Wir wollen doch nur ein paar Monate Ruhe haben. Das, was uns eineinhalb Jahre nicht mehr moglich war", rechtfertigt sie ihren Rückzug. "Und es stimmt auch nicht, dass ich die Story exklusiv an einen Privatsender verkauft habe. Es gab dafür kein Geld."

An eine gütliche Einigung mit ihrem Ex-Mann glaubt Deniza Schmidt nicht mehr. "Er braucht dringend professionelle psychologische Hilfe." Und er solle endlich erkennen, dass er keine Chance mehr auf das Kind hat.

31.08.2003
www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/artikel/_555882/index.jsp







Wenn das Familiengericht im Vorfeld auf gemeinsame Sorge und eine annähernde 50/50-Regelung hingewirkt hätte, dann hätte diese starke Polarisierung der Eltern wahrscheinlich verhindert werden konnen.

Thomas