Pflegefamilien müssen mit dem "nur" leben
119
Kinder haben ein Zuhause auf Zeit
Uckermark (EB/Claudia Marsal). In 83 Haushalten der Region bestimmen
Pflegekinder - oftmals schon seit Jahren - den Alltag. Unter Regie des
Jugendamtes Uckermark haben hier insgesamt 119 Mädchen und Jungen
ein zweites Zuhause gefunden.
Obwohl die Schützlinge die Pflegefamilien meist vor harte Bewährungsproben
stellen, würden sie in der Regel schnell ins Herz geschlossen, betont
Fachkoordinatorin Hannelore Bock.
Dass darin eine gewisse Problematik liegt, zeige sich immer wieder.
Denn Fakt ist, dass in diesen Fällen das Sorgerecht in der Regel weiter
bei den leiblichen Eltern bleibt.
Dass der Kontakt zu ihnen gehalten werden soll. Und dass im Falle einer
Rückführung auch der Abschied vom Pflegekind akzeptiert werden
muss. Dieses Jahr standen zwei Pflegefamilien vor dieser problematischen
Situation.
Im Interesse der Kinder
"Doch wenn sich die Lebensbedingungen der leiblichen Eltern wieder zum
Positiven entwickelt haben, gibt es keinen Weg daran vorbei, auch im Interesse
der Kinder, denn die wollen heim", meint Richarda Sittig, AG-Leiterin des
Pflegekinderdienstes. Das Gros der Pflegekinder ist im Alter zwischen 6
und 12 Jahren, aber auch fast Volljährige und Säuglinge sind
darunter.
Null- bis Sechsjährige werden im Landkreis generell nur in Pflegefamilien
und nicht in Heimen untergebracht, stellt Hannelore Bock heraus. Sie befürchtet,
dass perspektivisch noch mehr Kinder nicht mehr bei den eigenen Eltern
leben können, sondern zur Pflege untergebracht werden müssen,
weil die sozialen Probleme in der Region immer größer werden.
Auch Tendenzen der so genannten Wohlstandsvernachlässigung, wo
Eltern aufgrund von Berufstätigkeit keine Zeit mehr haben, seien zu
beobachten, betont Richarda Sittig.
Notaufnahmen
Die Zahl derer, die einen Antrag auf Hilfe zur Erziehung stellen, steigt.
Notaufnahmen aus Krisensituationen heraus sind ebenfalls an der Tagesordnung.
Zu diesem Zweck hält der Kreis Plätze in zwei Bereitschaftspflegefamilien
vor. Eine dritte wird dringend gesucht.
Keine leichte Aufgabe, wie Richarda Sittig weiß, denn die Aufnahmebereitschaft
müsse rund um die Uhr gewährleistet werden.
Und der Abschied sei nach längstens sechs Wochen gewiss. Die Pflegefamilien
der Uckermark hatten jüngst im Freizeitzentrum am Grünen Weg
Gelegenheit, sich beim traditionellen Sommerfest über ihre Probleme
auszutauschen.
06.07.2000
©
Nordkurier-Online 2000